Diskussionsrunde beim Brain.Floor

10. Oktober 2008 von Ruth

Wie wirken sich die neuen digitalen Medien auf das traditionelle Bildungssystem aus? Verlieren wir eine Kompetenz, indem wir eine neue erwerben? Wer ist schuld an der Bildungsmisere? In der Diskussionsrunde werden ein paar wunde Punkte angesprochen.

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v.l.n.r.: Moderator Steffen Damm, Michael Mangold, Klaus Siebenhaar, Herbert Kubicek, Wolfgang Schulz, Benjamin Jörissen

Hier sind einige Zitate:

Dr. Michael Mangold: Um die Bildung steht es nicht gut. Um das Lernen steht es wesentlich besser. Ursache für die Bildungsmisere: Die Wirtschaft hat sich aus der Verantwortung herausgezogen. Die privaten Haushalte und der Staat (Lehrlingsausbildung) sind eingesprungen. Kaum ein Ökonom hat sich um Bildung gekümmert. Bildung im staatlichen Sinne ist deswegen in einer sehr schweren Lage. Die verantwortlichen Akteure haben sich in dramatischer Weise zurückgezogen. Die Verantwortungsteilung ist im Ungleichgewicht und bis heute nicht in ein Gleichgewicht gebracht worden. Das Internet springt ein und wird zum Glück allmählich ernst genommen.

Prof. Dr. Klaus Siebenhaar: Das informelle Lernen (70%) bewegt sich außerhalb der klassischen Bildungsinstitutionen (30%). Jugendliche haben mir neulich gesagt, sie möchten gerne mit uns über Bildungskritik sprechen – aber sie würden gerne auch mal erleben, dass wir ihre Medienkompetenz haben. Wir sind in einer Phase des wechselseitigen Lernens. Wir sollten auf beiden Seiten (alte Kulturkompetenzen hier und hochentwickelte Medienkompetenz dort) zu einer kritischen Reflexion kommen. Wir sollten innovative Ansätze in die etablierten Systeme einbringen.

Prof. Dr. Herbert Kubicek: Ich bin skeptisch, wenn aus der Erlebnisgesellschaft die Wissensgesellschaft wird. Ich glaube, das sind zwei unterschiedliche Pole. Ich möchte zwischen Anwendungskontexten differenzieren. Die Regelkompetenz in einem Spiel hilft mir nicht in einem Betrieb, die Regeln einzuhalten. Deswegen müssen wir genauer differenzieren. Es gibt nicht mehr das eine Bildungsideal, sondern ganz unterschiedliche Bildungsmuster und -anforderungen. Erst wenn wir differenzieren, können wir Aussagen machen, was wir aus Spielen sinnvoll mitnehmen können.

Dr. Wolfgang Schulz betrachtet im Medienbereich vier Punkte: Überbewertung: Es kommt was Neues, das wird erstmal überbewertet. Dann kommt automatisch die Haltung der etablierten kulturellen Institutionen. Traditionelle Bereiche und Social Networks werden sich verändern. Arabesken werden verschwinden, weil der Nutzen nicht mehr da ist. Zeit: In sozialen Netzwerken sich einzubringen ist unglaublich zeitintensiv. Dieser Konflikt muss gelöst werden. Politik: Wie gut sind wir in Bundesrepublik aufgestellt? Das Bundesjugendministerium hält sich aus Schule heraus, kann nur außerschulisch agieren. Es gibt Politikgrenzen, die sehr unflexibel sind. Traditioneller Medienbereich: Sie können aus der Lindenstraße unglaublich viel lernen (Gesundheitssystem, Börsensystem). Das sollten wir genauer beobachten.

Dr. Benjamin Jörissen (auf die Fragem ob uns durch die neue Medienkompetenz vielleicht etwas anderes verloren geht): Es geht uns durch die neue Medienkompetenz nichts verloren. Wir zeigen da ein tentatives Verhalten: Wir probieren aus, wir sind in ganz unterschiedlichen Strukturen unterwegs. Allerdings wird die Linearität des Denkens aufgehoben. Digitale Medien verändern das Denken und die Welt.

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2 Antworten zu “Diskussionsrunde beim Brain.Floor”

  1. Daniel Sagt:

    Respekt, Ruth: das ist ja fast schon Simultan-Blogging! In der Zeit konnte ich kaum nachverarbeiten, was ich alles gehört habe ;-)

  2. Ruth Sagt:

    :) Ich geb mir Mühe. Aber heute Abend werde ich keine drei Sekunden zum Einschlafen brauchen…

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