Nach dem Bildungsgipfel: Kompetenzen fürs Digitale – uups, war da was?
Zu recht weist die Initiative D21 darauf hin, dass die fehlende Vermittlung von digitaler Kompetenz in der Schule auf dem Bildungsgipfel nicht einmal in Ansätzen behandelt wurde. Da aber eine Förderung eben dieser Kompetenz viel für die Chancen der Kinder und Jugendlichen erreichen könnte, ist es sehr schade dass dieses Thema offenbar keine Berücksichtigung fand.
Allerdings hat die Missachtung dieser wichtigen Zukunftsthematik durch die Politiker und Politikerinnen eine lange Geschichte und ist nur die konsequente Fortsetzung der bisherigen Ignoranz.
Mir fallen da mal spontan aus dem verständnislos geschüttelten Kopf drei Kategorienfehler ein, die die Politik begeht, wenn es mal wieder um die (Nicht-) Förderung von digitaler Kompetenz geht.
Annahme 1:
Die jungen Leute nutzen heute so viele Medien, da haben sie doch alles Nötige schon drauf.
Falsch, denn:
Eine Vielnutzung kann man nicht gleichsetzen mit der kompetenten Beherrschung einer Materie. Insbesondere hier werden Ungleichgewichte zwischen bildungsfernen und bildungsnahen Schichten reproduziert. Während die einen Spiele und Internet ständig zur Ablenkung und puren Unterhaltung nutzen, bilden sich die anderen fort. Gerade digitale Kompetenz ist vonnöten, wenn es darum geht, bei einem sowieso schon hohen Medienkonsum schlechtere Angebote durch bessere zu substituieren,
Annahme 2:
Wenn erstmal die „Digital Natives“ als Lehrer an die Schulen kommen, wird alles gut
Falsch denn:
Die “Digital Natives“ gibt es als eine geschlossene Generation, die ein homogenes Muster an digitaler Kompetenz aufweist, so nicht. Die eigene Fertigkeit, durch digitale Welten zu navigieren, impliziert noch lange nicht die pädagogische Vermittlungsfähigkeit. Hier ist und bleibt die Lehreraus- und weiterbildung in der Pflicht.
Annahme 3:
Wer so etwas Kompliziertes wie Web 2.0 verstehen kann, kann mir ja noch was erklären, der braucht doch keine Unterstützung mehr.
Falsch denn:
Gerade die oft problematische Selbstentblößung bei Teilnahme an Online Communities als nur ein Beispiel zeigt, wie stark der Bedarf an Orientierung ist. Zudem ist Web 2.0 leider nicht unbedingt mit aufgeklärtem Bürgerjournalismus gleich zu setzen, die aktive Nutzung ist und bleibt die Ausnahme auch unter Jugendlichen.
Die Vernachlässigung digitaler Kompetenz in Deutschland ist nicht zukunftsfördernd, hier müssen weiterhin Anstrengungen von allen Partnern der Bildung, wie Medienzentren, Verbänden, freien Medienpädagogen, öffentlichen und privaten Initiativen unternommen werden. Auch wir bei scoyo wollen unseren Teil dazu beitragen.
Hallo Robert,
du zeichnest eine gelungene Einschätzung der Situation, zu der mir noch ein weiterer Kategorienfehler einfällt.
“Die Computer-Kabinette der Schulen sind doch mit Rechnern gut ausgerüstet, was wollen Ihr denn, wir haben euch eine Arbeitsstruktur bereitgestellt.”
Passende Weiterbildungsmöglichkeiten für LehrerInnen und ErzieherInnen, und diese Berufsgruppen sind die MultiplikatorInnen innerhalb der Schule für das neue Mitmach-Internet, werden nicht angeboten.
Selten entstehen aus Eigeninitiative Projekte, die in Blog, Podcast oder Moodle-Umgebungen stattfinden, manche Computerräume erinnern an frisch renovierte Industrie-Brachen.
Grüße,
Martin
Hallo Martin,
stimmt genau.
Ein wenig Hofffnung liegt hierbei ja auf dem Ausbau von Ganztagsschulen, wenn es denn am Nachmittag zum Einsatz von SozialpädagogInnen kommt. Viele FHs bieten mittlerweile im Studium Sozialpädagogik eine Grundeinführung (und manchmal mehr) in Medienpädagogik an.
grüße
Robert
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