Den Schiefen Turm zu PISA aufrichten – das geht nur gemeinsam

In dieser Woche raschelt und rumpelt es mal wieder gehörig in den Medien und in der Politik, die Finanzkrise tritt für einen Augenblick zurück: Die neuen PISA-Ergebnisse sind da. Sachsen liegt vorne, hat in Teilen sogar zu Gewinner Finnland aufgeschlossen, Hamburg und Bremen stehen nicht ganz so gut da und so weiter und so fort. Diese zentralen Punkte stehen so ziemlich überall. Wenn ich die Berichterstattung betrachte, sehe ich Politiker und Verbandsvertreter, die das Stichwort PISA nutzen, um ihre eigene Agenda zu verfolgen. Reflexartig sagen Realschulvertreter, ganz sicher sei die Realschule aus der Schulstruktur nicht wegzudenken, fast jedes Bundesland preist sich als Gewinner und jeder scheint sofort zu meinen, er habe die richtigen Lösungen parat.

Soll das so weitergehen? Wenn es irgendwo runde Tische braucht und ergebnisoffenen Dialog, dann beim Thema Bildung. Es ist doch erstaunlich, dass man mit ein paar Klicks Meinungsartikel im FOCUS, der Süddeutschen, der WELT, FAZ und ja, der TAZ findet, die man jeweils in Teilen sofort unterschreiben würde. Es gibt hier offensichtlich kein links, kein rechts, kein liberal oder konservativ. Letztlich wird uns kein vorgefertigtes Konzept da weiterhelfen. Eine sorgfältige Analyse, einen kühlen Kopf, Augenmaß und Mut zu Experimenten (auch den Mut zu gestehen, wenn ein Experiment misslungen ist) – das würde ich mir wünschen.

Gewinner sollten nicht über Verlierer ätzen und Verlierer nicht zu überheblich sein, von Gewinnern zu lernen.

Wenn sinnlose Grabenkämpfe zwischen Parteien, Ländern, Verbänden und Politikern weitergehen, wird es vor allem eine Gruppe von Verlierern geben: Sozial benachteiligte Familien und ihre Kinder, insbesondere Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund. Das ist nicht nur jedem einzelnen Kind gegenüber unfair und ungerecht, sondern eine Katastrophe für unser Land. Und das Wichtigste: Es liegt nicht am Willen dieser Kinder! Das konnte ich zuletzt auf unserem Social Learning Summit in Berlin feststellen – wo mich eben jene Kinder mit Migrationshintergrund beeindruckten. Wir sollten sie nicht unterschätzen. Deshalb plädiere ich dafür, dass das Thema Bildung endlich dort bleibt, wo es hingehört: Ganz oben auf die Agenda!

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