Tests und Tipps

Ist Ihr Kind gestresst?

Nur einen Augenblick hat der achtjährige Ben aus dem Fenster geschaut und nicht aufgepasst – und sofort wird er vom Lehrer an die Tafel gerufen. Was war die Frage? Worum geht es gerade? Stress pur … Aber auch Klassenarbeiten, Streit mit Freunden oder zu viele Nachmittagstermine können Kinder unter Druck setzen. Stress ist in Familien mit Schulkindern ein ständiger Begleiter.

Was jede Mutter kennt, belegen auch Studien. Etwa 42 Prozent der deutschen Eltern beobachten bei ihren Kindern Stresssymptome wie Unkonzentriertheit, Nervosität und Überdrehtheit (57 Prozent), Kopf- und Bauchschmerzen (50 Prozent) und Traurigkeit (43 Prozent). Viele Schüler sind traurig und ziehen sich zurück oder reagieren gereizt und aggressiv (42 Prozent). Das zeigt eine Forsa-Umfrage der DAK Gesundheit, bei der vor vier Jahren 1002 Mütter und Väter von minderjährigen Schulkindern befragt wurden. Andere Studien bestätigten dieses Ergebnis. Schulkinder sind heute enormem Stress ausgesetzt.

Der „blaue Kern“ macht Stress

Biologisch entsteht der Stress im Gehirn, im Locus Coeruleus, dem „blauen Kern“, der aus tausenden Nervenzellen besteht und mit dem sympathischen Nervensystem verbunden ist – das für Herzklopfen und schwitzige Hände verantwortlich ist. Denn das Stresszentrum ist der Alarmknopf, der den Körper in Gang setzt, wenn etwas „Stressiges“, also Unerwartetes oder scheinbar Bedrohliches passiert.

Symptome

Diese Belastung zeigt sich in definierten Körperreaktionen und kann mit einem Stressmessgerät auch bei Kindern gemessen werden. Werte über 30 Mikrosiemens zeigen eine Stressphase an. Alarmierend: Manche Kinder erreichen Stresswerte, die sonst nur Manager aufweisen.

Aber was hilft gegen den Stress unserer Schulkinder?

Drei Lösungsansätze für Eltern:

  1. Verständnis zeigen: Den Kindern hilft es am meisten, wenn Eltern für diese Reaktionen Verständnis zeigen, und das Kind unterstützen, statt durch Vorwürfe oder Panikreaktionen den Stress noch zu verstärken.
  2. „Stress“ auch als etwas Positives erleben: Denn Stress kann auch positiv sein und Verantwortung und Pflichten zu übernehmen oder schwierige Aufgaben zu erledigen ist eine tolle Sache, die man beim Großwerden lernen muss.
  3. Entspannung mit gemeinsamen Ritualen fördern: Beim gemeinsamen Kochen und Essen wird Druck abgebaut und das „Teamevent“ schafft Vertrauen – eine vorbeugende Maßnahme, denn so trauen sich Kinder eher, Probleme anzusprechen.

Diese und viele andere Erziehungstipps für den Umgang mit Stress gibt es bei Focus Schule.

Das folgende Video zeigt, wie Schulstress entsteht und wie dieser durch Nachhilfe abgebaut werden kann.

Suchen Sie das Gespräch mit Lehrern, Schulpsychologen oder Sozialarbeitern, wenn Ihnen die Situation über den Kopf wächst. Manche Schulen, und auch Krankenkassen, bieten Stresscoachings für Kinder an.

Drei Tipps für Kids:

  1. Denk dir einen Mutmach-Spruch aus, den du dir leise vorsagst, wenn es stressig wird. Zum Beispiel: „Ich bin super vorbereitet, das schaff ich!“
  2. Schon Oma wusste: „Was du heute kannst besorgen – das verschiebe nicht auf morgen!“ Also, auch wenn du nur eine klitzekleine Hausaufgabe in drei Tagen abgeben musst, mach sie gleich fertig, dann kannst du dich super entspannen und bei überraschenden neuen Aufgaben kommt kein Stress auf.
  3. Erinner’ dich an ein tolles, ruhiges Erlebnis. Beispielsweise an einen schönen Waldspaziergang oder der Kuschelabend mit der Familie auf dem Sofa. Schließ’ die Augen und stell dir den Moment vor, sodass er vor deinem inneren Auge noch einmal abläuft. Atme dabei tief und langsam ein und aus. Merkst du, wie der Stress nachlässt?

In seinem You-Tube-Kanal verrät der Schüler iMaxiiii seine persönlichen Tipps gegen Stress.

Wichtig ist, den Stress ernst zu nehmen und ihn abzubauen. Die gute Nachricht: Schulpsychologen berichten, dass Jugendliche, die gelernt haben, mit Stress umzugehen, weniger gefährdet für Drogenmissbrauch sind.

Sind wir betroffen?

Ob Ihr Kind gestresst ist, oder sogar Burn-out gefährdet, können Sie online hier oder hier prüfen. Eine zuverlässige Diagnose bietet natürlich nur ein Arzt.

ein Kommentar

  1. Bei den Lösungsansätzen für Eltern fehlt ein meiner Meinung nach wichtiger Punkt: Eltern sollten sich nämlich keinesfalls die Zuversicht nicht rauben lassen, dass ihr Kind in der Welt bestehen wird – ganz unabhängig von seinen momentanen schulischen Leistungen. Sogar wenn die Schule erst im 19. Lebensjahr verlassen wird, folgen für heutige Schüler immerhin noch mehr als 45 tätige Jahre, in denen sie ihre Begabungen und Talente zur Entfaltung bringen können. Schule zeigt eine gar zu ausgeprägte Tendenz, die eigene Bedeutung zu überhöhen. Dabei hält die sich in einem, sogar in Bayern, vertikal zunehmend durchlässigen Bildungssystem in engen Grenzen. Auf lange Sicht wichtiger für den Erfolg im Beruflichen wie im Privaten sind andere Faktoren. Etwa die Zusammensetzung des Freundeskreis und ob es in den richtigen Momenten zur Förderung durch Dritte kam (sprich: Glück). Neben der sozialen Kompetenz spielt dabei sicherlich die emotionale Stabilität der jungen Leute eine große Rolle. – Drum sollten Eltern sich auch angesichts schlechter Noten ihre Zuversicht und gute Laune nicht rauben lassen. Wenn Sie Ihrem Kind bislang gewogen waren und das auch in der Stunde der Not bleiben, wird die aktuelle schulische Krise bald Geschichte sein. Lehrreiche Geschichte.

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