Artikel mit ‘eine schule für alle’ getagged

Nachwehen von Pisa

25.11.2008

Die Sachsen sind die Gewinner, die Stadtstaaten pochen auf den hohen Anteil an Kindern mit Migranten-Hintergrund, die Bayern fürchten um ihre Vormachtstellung. Pisa hat mal wieder alle bildungspolitischen Diskussionen losgetreten. Was tut sich gerade?

  1. Die Hamburger Behörde hat 22 Schulentwicklungskonferenzen einberufen, um eine neue Schulstruktur zu planen. Denn in Hamburg soll ab 2010 die gemeinsame Primarschule bis zur sechsten Klasse eingeführt werden. Das ist auch das Ziel der Volksinitiative “Eine Schule für alle”. Kontrovers diskutierte Bildungsentwicklungen führen auch zu kontroversen Initiativen. Während “Eine Schule für alle” das gemeinsame Lernen propagiert, bewirbt die Volksinitiative “Wir wollen lernen” für eine Beibehaltung der Hamburger Gymnasien und weiterführenden Schulen ab der 5. Klasse.  Die Süddeutsche Zeitung, die Hamburg gerne mit einem sehr kritischen Auge betrachtet, berichtet natürlich genüsslich über die angespannte Stimmung bei den Hamburger Schulentwicklungskonferenzen: Eine “beklemmende Atmosphäre” habe da geherrscht, in den Augen habe “nur Panik” gestanden.
  2. In Berlin können bisher Eltern selbst entscheiden, auf welche Schule ihr Kind nach der vierten Klasse gehen soll. Das soll sich nun ändern, wie Spiegel Online berichtet. Die Projektgruppe “Neue Schulstruktur” des Bildungssenators Jürgen Zöllner (SPD) möchte durchsetzen, dass in Zukunft ausschließlich die Noten über die weiterführende Schule entscheiden. Begründung: “Der Elternwille ist nicht sozial gerecht” (Thomas Duveneck, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Senators und Mitglied der Projektgruppe).
  3. In Schleswig-Holstein hat man nach den ersten schlechten Pisa-Ergebnissen einen Schul-TÜV eingeführt, die Fridtjof-Nansen-Schule in Flensburg ist außerdem Mitglied im Schulverbund “Blick über den Zaun“. Man bewertet sich gegenseitig, hat Inspektoren im Unterricht dabei und kann jederzeit über pädagogisches Konzept, Anmeldezahlen und Prüfungsergebnisse Auskunft geben. Noch aber ist der Einfluss der Schul-Inspektoren begrenzt: Die “Zielvereinbarungen” sind nicht bindend.

Viele Einzelinitiativen, die gerade in ihrer Vielfältigkeit das Problem der deutschen Bildungspolitik deutlich spiegeln: Es gibt kein Gesamtkonzept, selbst ein Bundesland-Konzept ist kaum zu erkennen. Statt dessen versucht jede Schule einzeln (und dabei oft sehr engagiert), einen Ausweg aus dem Dilemma zu finden. Thüringen, Stadtstaaten, Hessen – ist es nicht völlig egal, wer beim Ländervergleich vorne liegt? Wichtig wäre eine gemeinsame Stoßrichtung der Bildungspolitik in Deutschland. Und von der sind wir noch weit entfernt.